Guten Tag,
mein Name ist Peter Hintz,
ich lebe und arbeite
in Berlin.

Gestalten war schon immer meine Leidenschaft. In meiner Schulzeit illustrierte ich alle Unterrichts­bücher neu, was bei den Lehrern nicht immer gut ankam, aber den nachfolgenden Besitzern etwas Freude im Schulalltag brachte. Nach der Schule ging ich dann in Stuttgart in die Kunstakademie und gründete mit anderen zusammen eine Künstlergruppe mit der wir Joseph Beuys mal so richtig geärgert haben. Nach acht Semestern schloß ich dort als Meisterschüler ab.
Wie ich danach zur Werbung kam, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen, auf jeden Fall hatte es mit Geld zu tun. Mehr oder weniger überraschend saß ich plötzlich in einer Werbeagentur – die „Trust“ hieß – in Frankfurt. Es war anfangs sehr hart, weil ich von Werbegrafik wenig Ahnung hatte. Aber es war auch sehr schön, weil alles spannend und neu war. Nach einem Jahr erhielt ich zwei Aus­zeichnungen beim Art Directors Club und wurde zum Mitarbeiter des Jahres ernannt.
Im zweiten Jahr wurde die Arbeit noch intensiver; der übliche Feier­abend war zwischen drei­und­zwanzig und vier­und­zwanzig Uhr. Zwischen­zeitlich versuchte ich es mit dem Slogan “Profis gehen um sechs”- der gut ankam, aber sich einfach nicht durchsetzte. Damals arbeitete ich für heute längst vergessene Marken wie Pan Am, Bayrische Vereinsbank, Hoechst und Capri Sonne.
Nach zwei Jahren wechselte ich zu Young & Rubicam, einer inter­nationalen Werbe­agentur, die auch in Frankfurt ansässig war. Ein alter Freund und Texter aus “Trust-Zeiten” kam gleich in mein neues Zimmer und erklärte mir wie toll es hier sei: nur Anzeigen und Filme, keine Kataloge, keine Flyer. Übrigens hat man mich mit der Be­gründung eingestellt, dass es schon ein Wunder sei, wenn man wie ich aus so schrecklichen Auf­gaben doch noch schöne grafische Arbeiten machen könne.
Jedoch war es mit der schönen Typo zu Ende, ich arbeitete fast nur an Werbe­spots und schon wieder war alles völlig neu. Nach sechs Wochen produzierte ich meine erste Staffel von drei Werbe­filmen für Kaffee Hag – ich habe es überlebt. Nach drei Jahren und der dritten Staffel von Werbe­spots gewann ich mit zwei Filmen für Kaffee Hag die Silber­medaille beim Art Directors Club.
Überaschender­weise gab es jetzt wieder die Möglich­keit zum Zeichnen, jede Filmidee braucht ja ein Story­board. Am meißten faszinierte es mich, Situationen, Charaktere und Mimiken mit wenigen Strichen so schnell aufs Papier zu bringen. Einmal war Wüstenrot meine Film­idee zu ausge­fallen, aber das Story­board wollten sie behalten. Der Werbe­leiter hängte es sich gerahmt in sein Büro.
Es war meine Zeit der großen weiten Werbewelt und irgendwann sagte der CEO, Art Directoren müssen wie Peter Hintz und Texter wie mein Freund und Partner Christian sein. Nach vier Jahren und weiteren Kunden, wie Colgate Palmolive, Wüstenrot und Milka hatte ich genug. Ich wollte wieder ordentliche Ge­staltung machen und einen direkteren Kontakt zum Kunden haben.
Also bewarb ich mich bei einer Agentur zu der ich schon immer hin­wollte – Hildmann, Simon, Rempen, Schmitz in Düsseldorf, damals eine echte Größe und heute leider ein vergessener Dinosaurier. Für meinen Kunden Zefa-Bildarchiv gestaltete ich eine Kampagne mit Doppel­seitigen Motiven.
Die Chefin, Frau Reimer, hängte alle Motive gerahmt ins Treppen­haus ihres Archivs. Das Motiv “Fernfahrer”, mit 72 Pin-Up-Girls wurde zweimal geklaut, danach wurde der neue Rahmen mit einem Vorhänge­schloß gesichert. Später gewann ich mit diesem Motiv einen Silbernen Löwen auf dem Werbe­festival in Cannes und Super-Illu kaufte alle 72 Girls auf einen Schlag.
Wirklich interessant war für mich der direkte Kontakt zum Kunden. Und hier war es von Vorteil, dass ich über­wiegend mittel­ständische Kunden betreute. Ich sprach mit dem Chef, dem Vorstand, oder einfach jemandem, der zu ent­scheiden hatte. Ich entdeckte etwas Neues bei mir: ein gutes Gespür für meine Kunden und dem, was sie haben wollten.
Nach fünf Jahren bei Rempen, war es so weit, mein lang gehegter Wunsch ging in Erfüllung – ich machte mich mit einem Texter selbst­ständig. Nach einer guten Flasche Rotwein ent­schlossen wir uns, nach Berlin zu gehen. Wir mieteten ein Büro in der Oranien­burger Straße, kauften einen Computer und einen Laptop, schlossen unsere Telefon­anlage an und hofften, dass der erste Kunde anrief.
Irgendwann und endlich war es soweit. Juwelier Bucherer aus der Schweiz rief zu einer Wett­bewerbs­präsentation auf. Um den möglichen Kunden ordentlich empfangen zu können, liehen wir uns Konferenz­tisch, Stühle und Couch­garnitur von einem Möbel­haus, mit dem Hinweis, dass wir im Erfolgs­fall die Aus­stattung kaufen würden.
Zwei Monate später hatten wir die Büro­möbel samt Quittung. Das Glück war uns hold – und es ging ganz schnell. Bank­haus Löbbecke, Sächsische Aufbau­bank, Moët-Hennessy und Kinowelt wurden unsere Kunden. Die Agentur wuchs von zwei auf sieb­zehn Mit­arbei­tern.
Eine Dokumentarfilmproduktion aus Berlin, geführt von der Regisseurin Dana Ranga wünschte sich eine grafische Auftritt für ihr neues Projekt – ein Doku­mentar­film über Astronauten und Kosmo­nauten. Erst gab ich diese Aufgabe an einen Grafiker weiter, doch nach der ersten Präsentation sagte mir mein Partner, dass es nicht gut gelaufen sei und ich die Gestaltung selbst in die Hand nehmen solle.
Ich arbeitete mich in Weltall und Raumflüge ein, skizzierte neue Entwürfe und präsentierte sie Frau Ranga. Ein Entwurf gefiel ihr besonders gut – und zwei Jahre später – haben wir geheiratet. Mit meiner Frau arbeitete ich weiter an neuen Dokumentarfilmen. Auch wenn wir den einen oder anderen Preis bei Filmfestivals in Marseille, Sao Paulo und Sundance ge­wannen, die Werbung und die Grafik konnte ich doch nicht loslassen.
So arbeite ich alleine weiter als freier Gestalter. Für Kunden wie Messe Berlin, Esmod Mode­schule, Afri Cola, Digel, Siemens, Nokia, Helmholz Gesellschaft, Hygiene Museum, Boehringer Ingelheim, MIS Implant, mitenant AG, Degum, Greate Guides …

Mit freundlichen Grüßen,

Peter Hintz